07.10.2010

Von Bo bis Banjul

Morgens um halb 6 hat uns ein Taxifahrerfreund von Rob vor seinem Haus abgeholt und zur Taxistation Richtung sierra leonischer Grenze gebracht hat. Weil wir keine Ahnung hatten, wie teuer eine Fahrt dort hin ist (da hat uns unser Lonely Planet ausnahmsweise mal im Stich gelassen) haben wir aus Versehen ein Taxi fuer uns alleine gechartert. Das haben wir allerdings erst spaeter gemerkt. Vorher sind wir vor Angst fast gestorben, weil der Fahrer und ein anderer sehr komischer Typ auf einmal einfach ohne andere Fahrgaeste losgefahren sind und wir bei jedem Feldweg dachten, dass sie uns gleich unser ganzes Gepaeck abnehmen. Das war zum Glueck nicht der Fall und angekommen an der Grenze sind wir auch problemlos nach Sierra Leone eingereist. Wir haben schnell einen Weitertransport (Peugeot 505 mit 11 Fahrgaesten und noch ein paar Typen auf dem Dach) gefunden, allerdings hat es einige Stunden gedauert bis wir tatsaechlich losgefahren sind und der Fahrer waere natuerlich nie auf die Idee gekommen, die Zeit zu nutzen mal zu schauen ob das Auto ueberhaupt funktioniert. So kam es, dass wir etwa alle 15 Minuten entweder fast eins der Raeder verloren haben oder der Motor versagt hat. Jedes Mal, wenn wir eine Panne hatten, ging danach eine der Tueren (nie die gleiche) nicht mehr zu und es hat nochmal 5 Minuten und jede Menge Gewalt gebraucht bis wir weitergekommen sind. Die anderen Fahrgaeste waren dafuer ganz nett. Mein Sitznachbar, ein 72-jaehriger Liberianer (fuer Afrika ist das wirklich steinalt) hat mir Fotos von seiner Kindern und Enkeln gezeigt und Popcorn in mich reingestopft und die anderen Mitreisenden haben sich brennend fuer das deutsche Steuersystem interessiert und wollten wissen, wie es denn sein kann, dass Deutschland fuer Krankenversicherungen, Unis etc. bezahlt. Nach einigen Stunden, als der Fahrer einen Pickup anheuern musste, um unser Auto einen Huegel raufzuziehen und es ausserdem richtig angefangen hat zu regnen, haben sie ordentlich Randale gemacht, den Fahrer beschimpft und einige sind in den Pickup umgestiegen. Relativ spaet abends sind wir schliesslich doch noch in Bo, der zweitgroessten Stadt Sierra Leones angekommen und unser Fahrer hat uns zum Glueck direkt zum billigsten Hotel gebracht. Es gab dort weder Licht noch Wasser, das Hauptproblem war aber, dass der Typ, der uns das Zimmer gegeben hat, eigentlich nicht das Recht dazu gehabt haette, weil das Hotel eigentlich seinem Onkel gehoert hat. Morgens um 6 hat er uns dehalb einfach mal aus dem Bett geschmissen, damit sein Onkel nichts davon mitgekommt. Das fanden wir eher mittelamuesant, aber wohl oder uebel sind wir so deutlich frueher als geplant zum Busbahnhof nach Freetown gefahren und haben in dem Bus zur allgemeinen Freude einige unserer Mitreisenden vom Vortag wiedergetroffen.
In Freetown sind wir mal wieder couchgesurft, diesmal bei dem Amerikaner Kevin, der fuer die Food and Agricultural Organization, einer Unterorganisation der UN, arbeitet. Die folgenden Tage haben wir ein bisschen Freetown erkundet und festgestellt, dass Sierra LeonerInnen (?) unfassbar freundlich sind. Als wir kein Taxi gefunden haben, hat uns einfach ein voellig Fremder in seinem Auto mitgenommen und ist fuer uns einen Umweg gefahren, wenn wir den Weg nicht gefunden haben, haben uns die Leute sofort weitergeholfen und sich dafuer bedankt, dass sie uns helfen durften und wenn es geregnet hat, haben sie sich dafuer bei uns entschuldigt. Im Vergleich zu Liberia scheint der Krieg viel laenger her zu sein: Es sind keine Blauhelme mehr vor Ort, Freetown wirkt voellig unbeschaedigt (keine Einschussloecher in den Haeusern wie in der Elfenbeinkueste oder Liberia) und die die ehemaligen Kindersoldaten sind relativ gut integriert und arbeiten in der Regel als als Taxi- oder Motofahrer. Das einzige was an den Krieg erinnert, ist der Anblick relativ vieler Menschen in den Doerfern mit abgehackten Gliedmassen… Anscheinend haben die Truth and Reconciliation Commissions nach ruandischem und suedafrikanischen Vorbild relativ gut gearbeitet, so dass die Menschen trotz der aneinander begangenen Verbrechen relativ friedlich miteinander leben koennen, obwohl es vor allem in Freetown immer noch viele Displaced Persons gibt.
Ansonsten haben wir die Straende in der Umgebung erkundet und waren ziemlich begeistert: Sanft ins Meer abfallende gruene Huegel, weisse Straende und keine TouristInnen. Ausserdem haben wir zwei Tage auf den Banana Islands vor der Kueste Sierra Leones verbracht. Dort hinzukommen ist relativ schwierig mit mehreren Poda Podas (sierra leonische Buschtaxis) und einem Boot verbunden mit harten Preisverhandlungen. Auf der Insel gibt es nicht viel, also genau genommen eine “Stadt” Dublin. Dublin besteht aus etwa 30 Haeusern und 2 Guesthouses mitten im Busch verbunden nur durch Trampelwege. Dafuer gibt es menschenleere Straende, gute Schnorchelmoeglichkeiten und jede Menge Wildlife. Davon fuer meinen Geschmack allerdings leider fast zuviel: Wir mussten unser Zimmer mit unzaehligen Spinnen, Tausendfuesslern, Asseln und sonstigen Insekten teilen und hatten sogar Buschratten im Bett. Ausserdem war das Dach alles andere als wasserdicht, was dazu gefuehrt hat, dass wir einen Bach quer durchs Zimmer laufen hatten. Der Rueckweg war wieder relativ schwierig und vor allem teuer, weil an dem Tag einfach mal kein oeffentliches Boot gefahren ist und wir am naechsten Tag unseren Flug weiter nach The Gambia kriegen mussten.
Der Flughafen in Freetown liegt auf der anderen Seite vom Fluss ausserhalb der Stadt und ist nur per Boot oder Hubschrauber zu erreichen. In unserem Flugticket war zum Glueck die Ueberfahrt mit einer Luxusfaehre inbegriffen und wir konnten es kaum fassen, als eine Bootsstewardess ploetzlich erklaert hat, wie man Schwimmwesten richtig anlegt und kalte Getraenke serviert hat. Weniger angenehm waren die Christiana Love Musikvideos. Christiana Love ist wohl die schrecklichste Gospelsaengerin aller Zeiten und hat mehr oder weniger ihr ganzes Album (Jesus zum Besten gegeben. Der Flughafen war leider nicht ganz so professionell und uns wurde nicht mal gesagt, wann unser Flug eigentlich losgeht. Dafuer gab es den wohl geschmacklosesten Souvenirshop der Welt mit Tshirts mit der Aufschrift: Sierra Leone Herz War is not the solution… Da waren wir dann doch sprachlos.
In Banjul sind wir mit den ueblichen drei Stunden Verspaetung angekommen und hatten erstmal noch einigen Aerger mit einem nicht ganz so freundlichen Taxifahrer. Obwohl es mittlerweile ziemlich spaet war konnte uns der nette, tuerkische Couchsurfer Cumhur noch abholen. In Gambia haben wir nicht viel Zeit verbacht und nur einen Tag lang, den Strand und die naehrere Umgebung erkundet. Der Strand war zwar ganz nett, allerdings musste ich mich ziemlich fuer die zahlreich vertretenen deutschen Sextouristinnen fremdschaemen und es war gut anstrengend, die Gambier auf Kundinnensuche abzuwimmeln. Von Banjul, der Hauptstadt Gambias, aus haben wir eine Faehre ueber den Fluss genommen und sind auf der anderen Seite weiter Richtung Dakar, Senegal, gefahren.

27.09.2010

Von Abidjan bis Monrovia

Die Busfahrt von Takoradi in Ghana nach Abidjan war ein ziemliches Abendteuer: Der Bus kam ueberraschenderweise puenktlich und ist dann aber erstmal kaputt gegangen. Kurz bevor es schliesslich doch losging, haben sie festgestellt, dass zu viele Fahrkarten verkauft wurden und es waere fast zu einer Pruegelei gekommen. Haette ein freundlicher Ghanaer sich nicht unter Verwendung von Beschimpfungen fuer uns eingesetzt, haetten wir die Fahrt wohl stehen muessen. Der Grenzuebergang in die Elfenbeinkueste war ziemlich langwierig, aber da wir mit einer guten Busgesellschaft unterwegs waren, sind wir um Bestechungsgelder herumgekommen und sie haben unsere Visa ohne Probleme akzeptiert. Angekommen in Abidjan hatten wir ziemlich Glueck, dass ein Mitreisender der Familie von Lennis Bremer Basketballkumpel Amara Bescheid gesagt hat (“da wollen zwei europaeische Auslaender am Busbahnhof abgeholt werden”), weil MTN Ghana offensichtlich nicht das MTN Cote dIvoire Netz lesen kann. Amaras Papa hat uns dann auch gleich abgeholt,was gut war, weil Abidjan bei Nacht fuer offensichtliche AuslaenderInnen wie uns nicht gerade ein sicheres Pflaster ist. Amaras Mama wollte um 11 Uhr abends erstmal losgehen und Fisch fuer uns kaufen, weil wir nach der langen Reise ja bestimmt richtig Hunger haben muessten, aber wir konnten sie davon ueberzeugen dass Aepfel und Kaese (!!!!) absolut ausreichend waren. Am naechsten Morgen hat Amaras Cousin Pepe, den sie mit unserer Betreuung beauftragt haben, schon auf uns gewartet.Nach dem opulenten Fruehstueck und mehreren Kontrollanrufen von Amaras Eltern (ob wir auch ja genuegend gegessen haben) hat er uns erst zur liberianischen Botschaft begleitet, dann haben wir die beeindruckende, sehr moderne Kathedrale besichtigt und sind in das Nationalmuseum gegangen. Den naechsten Tag haben wir am Strand in Grand Bassam verbracht, der im Grunde genommen ganz nett ist, allerdings scheinen das eine ganze Menge anstrengende Kunstverkaeufer auch zu finden. Ausserdem sind wir in der Lagune von Abidjan “Bootsbus” gefahren. Von Abidjan aus wollten wir nach dem sehr warmen Abschied von der Familie direkt weiter nach Man in den Norden fahren um von dort zuegig ueber die Grenze nach Liberia zu kommen. Das hat leider mal wieder nicht so geklappt wie wir uns das vorgestellt haben und so haben wir beschlossen die Nacht in Yamoussoukro, der Hauptstadt der Elfenbeinkueste zu bleiben. Dort gibt es mal abgesehen von der Basilique Notre Dame de la Paix, einem Teich, sechsspurigen Strassen und einigen Regierungsgebaeuden nicht viel. Die Kathedrale ist die groesste Kirche der Welt und dem Petersdom nachempfunden. Allerdings ist sie komplett aus Beton, es gibt 7000 feste Sitzplaetze, jeder zweite ist mit einer Klimaanlage versehen, dazu 4000 zusaetzliche Stuehle, die allerdings unklimatisiert sind. Ausserdem gibt es 45 Beichstuehle fuer die 3 Priester der Gemeinde, da koennen sie dann wohl lustig “Baeumchen wechsel dich” mit ihren Gemeindemitgliedern spielen. In einem der Teil der Saeulen befinden sich Aufzuege mit denen man in den ersten Stock fahren und dort ausgesprochen geschmacklose Kirchenkunst besichtigen kann (zum Beispiel wie die guten Missionare in Afrika landen und die wilden Heiden bekehren). Seit ihrer Erbauung waren genau zweimal alle Plaetze in der Kirche besetzt, einmal als sie von Johannes Paul, der sie scheusslich fand und darauf bestanden hat, dass sie noch ein Krankenhaus daneben bauen, eingeweiht wurde und bei der Beerdigungsfeier des Bauherrn. Dieser hatte auf den Vorwurf, wie er denn eine solche Kathedrale in einem so armen Land bauen koenne, nur geantwortet, die ItalienerInnen seien ja schliesslich auch arm gewesen als der Peterdom gebaut wurde.
Weil wir noch kein budgetfreundliches Hotel in Yamoussoukrou gefunden hatten, haben wir nach der Besichtigung einen backpackingverdaechtigen Weissen, den Amerikaner Pzcemek, angesprochen, ob er nicht einen Tip fuer uns haette. Innerhalb von einer halben Stunde hat uns sein ivorischer Freund eine Uebernachtung bei einer Bekannten und die Weiterfahrt nach Man am naechsten Morgen organisiert. Die Bekannte, Isabel, hat an dem Abend eine House-Warming-Party geschmissen und so haben wir jede Menge interessante Leute kennengelernt. Besonders spannend fand ich die verschiedenen Einschaetzungen zu den kommenden Wahlen im Oktober: Der jetzige Praesident Gbagbo ist kein grosser Demokrat und die Wahlen waren mehr als ueberfallig. Viele werfen ihm vor korrupt zu sein, manche sagen aber auch, dass er das Land nichtsdestotrotz wirtschaftlich weitergebracht hat. Herrschende Meinung was den Ausgang der Wahlen betrifft ist, dass Gbagbo zwar nicht gewinnen, aber dennoch Praesident bleiben wird und dass es dann mit grosser Wahrscheinlichkeit im Norden zu neuen Ausschreitungen kommen wird (die Rebellen sind nie entwaffnet worden, wie das beispielsweise in Liberia nach dem Krieg geschehen ist).
Am naechsten Morgen ging es dann von Yamoussoukrou weiter nach Man, das in dem von den Rebellen besetzten Gebiet liegt. Wir hatten ziemlich Glueck, dass der Bruder von unserem Abidjan-Stadtfuehrer/Freund Pepe dort wohnt und wir bei ihm schlafen konnten. Wir wurden dort gut verwoehnt, durften nichts bezahlen (“Jetzt reichts aber! Ihr seid arme StudentInnen!” Sonst heisst es eher: “Jetzt reichts aber! Ihr seid doch reiche Weisse!”) und am naechsten Morgen haben sie uns sogar noch mit dem Auto nach Danane, das an der Grenze zu Liberia liegt, gefahren. Von dort aus mussten wir ein Moto weiter zur Grenze nehmen, weil die Strasse zu schlecht fuer Autos war. Ziemlich cool war, dass wir auf der etwa 1,5-stuendigen Fahrt durch Doerfer gekommen sind, die so weit abseits von jedem Ort liegen, dass wir sonst nie durchgekommen waeren, weniger angenehm waren die Rebellencheckpoints. Bis wir bei der Grenze waren mussten wir dreimal bezahlen und das war kein Bezahlen mit Fixpreis sondern mit zaehem Verhandeln. Keine sehr schoene Situation lauter Kerlen mit Maschinengewehren gegenueberzustehen, die einen (also mehr mich als Lenni) heftig angraben und man muss dem Reisebudget zuliebe halbwegs freundlich bleiben, obwohl man am liebsten “Ich stehe weder auf dich noch auf dein Maschinengewehr und wuerde mir eher die Hand abhacken als dich nach Deutschland mitzunehmen” sagen wuerde. Angekommen an der Grenze mussten wir erstmal noch fuer das Abstempeln unserer Paesse bezahlen (man kann ja auch wirklich nicht verlangen, dass die einfach so ihren Job machen) und dann wurden wir noch ins Zollbuero gewunken uns sollten nochmal 5 EUR pro Person Zoll bezahlen. Daraufhin haben wir gesagt, dass wir nichts zu erklaeren haetten und sie gerne unsere Rucksaecke durchsuchen koennen. Das haben sie auch gemacht, natuerlich nichts gefunden und gemeint, wir muessten trorzdem bezahlen. Das war der Zeitpunkt an dem ich ausgerastet bin und Lenni zum Glueck weiterverhandelt hat, so dass wir wenigstens einen Preisnachlass bekommen haben. Als wir dort raus waren, war die liberianische Grenze schon in Sichtweite und wir dachten, wir haetten es endlich geschafft. Da hatten wir uns wohl geirrt: es kam noch ein weiterer Rebellencheckpoint, an dem wir bezahlen durften. Als wir dann endlich auf der liberianischen Seite waren, wollte der dortige Grenzbeamte erstmal ein Souvenir von uns, das haben wir geflissentlich ueberhoert bzw. nicht verstanden… Gefreut haben wir uns ueber die schoenen Anti-Korruptions-Aufkleber an den Waenden.
Weiter ging es von dort mit einem Buschtaxi bis zu einer groesseren Pfuetze, die hat das Auto leider nicht geschlafft. So mussten wir mitsamt unseres Gepaecks in wenig robusten Kanus durchgezogen werden und ich habe ich habe uns schon in den Fluten versinken sehen. Es hat zum Glueck alles geklappt und wir sind am anderen Ende der Pfuetze in ein anderes Taxi umsgestiegen. Die Nacht haben wir in Gbanga verbracht und weil es fuer uns im dunkeln zu gefaehrlich war noch draussen rumzulaufen, hat die Hotelbesitzerin einen ihrer Angestellten losgeschickt uns etwas zu essen zu holen. Die einzige Vorgabe war, dass eine Portion fleischlos sein sollte, und nach etwa einer halben Stunde kam der Typ ohne Essen wieder und fragte, ob ‘Roosterfish” in Ordnung waere. Um ihn nicht ganz zu verwirren (sein Englisch war nicht das Beste) und in der Hoffnung, dass er nicht erst noch Angeln gehen wuerde, haben wir einfach mal ja gesagt und nochmal eine halbe Stunde spaeter dann auch tatsaechlich Reis und Fisch bekommen.
Am naechsten Morgen ging es dann direkt weiter nach Monrovia, die Hauptstadt Liberias. Dort sind wir bei Rob, der fuer USAID arbeitet und der mehr als dekadent wohnt, untergekommen. Die Tage in Monrovia waren ausgesprochen entspannt, mit viel chillen am Pool und Biertrinken mit UN- und USAID-Leuten, die uns ziemlich viel ueber die politische Situation in der Region erzaehlen konnten… Seit dem Buergerkrieg (90er bis 2003) hat sich die Lage relativ stabilisiert, allerdings vor allem durch die Praesenz der Blauhelme. Die letzten Wahlen hat Ellen Sirleaf-Johnson, eine Weltbank-Oekonomin, gewonnen mit dem Versprechen fuer nur eine einzige Amtszeit zur Verfuegung zu stehen. Mittlerweile hat sie beschlossen noch ein zweites Mal zu kandidieren, weil es in Liberia an politischen Fuehrungspersonen mangelt und viele meinen, dass absurderweise die einzige Person, die sie bei den Wahlen mit groesster Wahrscheinlichkeit besiegen koennte, der ehemalige Praesident Charles Taylor ist. Der sitzt zum Glueck gerade in Den Hague vor dem Sondergericht fuer die Verbrechten in Sierra Leone und ist der Mann, der die ganze Region ein Jahrzehnt an den Rand des Abgrunds getrieben hat. Die meisten UN-MitarbeiterInnen sehen deswegen den Zeitpunkt fuer den Abzug der Blauhelme noch lange nicht gekommen. Die LiberianerInnen, die wir getroffen haben, waren alle sehr offen und freundlich und so sind wir sogar noch zu einer Fuehrung durch die liberianische Baenkervereinigung gekommen, die alle sehr begeistert waren uns zu sehen.

13.09.2010

Von Lome bis Takoradi

Zurueck in Lome sind wir noch eine Nacht ziemlich dekadent bei unserer deutschen Couchsurfingbekanntschaft Arno, der fuer das deutsche Rote Kreuz arbeitet, untergekommen, bevor es am naechsten Tag weiter nach Accra, die Hauptstadt Ghanas, ging. An und fuer sich ist es nach Accra ja nicht weit,trotzdem haben wir zum Busbahnhof ewig gebraucht, weil wir in der Stadt nur im Schritttempo vorwaerts gekommen sind. Von dort aus haben wir ein Taxi in den Stadtteil Banana In genommen, wo wir bei der Familie von Cyril, der Computer repariert, gewohnt haben. Die erste schlechte Erfahrung mit Couchsurfing: Wir mussten ein Zimmer mit allen moeglichen Verwandten teilen, so dass die ganze Nacht ein einziges Kommen und Gehen herrschte, morgens um 7 wurden wir erstmal mit fuerchterlicher Jesussingsang auf voller Lautstraerke beschallt und die sanitaeren Einrichtungen haetten wohl auch die meisten GhanaerInnen in Entsetzen versetzt (ich haette nicht gedacht, dass ich mit jemals ein Plumpsklo oder wenigstens ein Loch im Boden herbeiwuenschen wuerde…). Ausserdem haette ich mich doch sehr gefreut nicht nur als Freiwild wahrgenommen zu werden, obwohl ich weiss und eine Frau bin. Der Fairness halber muss man jedoch sagen, dass Cyrils Geschwister wirklich freundlich und zuvorkommend waren und wir in der Community auch einige nette Menschen kennengelernt haben. Accra selbst fand ich ein bisschen anstrengend, weil es ziemlich schwierig war durch das Trotro-System durchzusteigen. Trotros sind Kleinbusse die von bestimmten Haltestellen in der ganzen Stadt fahren. Da weder die Ziele angegeben noch die Busbahnhoefe gekennzeichnet sind, waren wir also staendig auf die Hilfsbereitschaft der Menschen angewiesen, die uns in der Regel aber auch gerne entgegengebracht wurde. Im Stadtzentrum haben wir den Kwame Nkrumah Memorial Park besichtigt. Kwame Nkrumah war nach der Unabhaengigkeit der erste Praesident Ghanas und ich fand es interessant wie sehr die Informationen die man vor Ort bekam von den Informationen im Lonely Planet und Rough Guide abgewichen sind. Das koennte wohl damit zusammenhaengen, dass er den Park selbst finanziert hat. Sein Mausoleum, das sich auch dort befindet, ist richtig pompoes, das Museum daneben weniger, ausser man kann sich fuer Kwame Nkrumahs Wohnzimmereinrichtung begeistern. Ganz nett war, dass wir in dem Park mit vielen Leuten ins Gespraech gekommen sind, die wissen wollten, was wir in Ghana machen und ob es uns bis jetzt gefaellt. Anschliessend sind wir noch ueber den Independance Square gelaufen und haben das Brazil House besucht. Dort gibt es ein Ausstellung ueber die afrikanisches SklavInnen in Suedamerika, vor allem in Brasilien, die nach der Abschaffung der Sklaverei Anfang des 20. Jahrhunderts zurueck nach Westafrika gegangen sind und so Elemente brasilianischer Kultur nach Afrika gebracht haben. Am nachsten Morgen ging es fuer uns weiter mit dem Trotro nach Cape Coast, einer lebhaften Kuestenstadt, in der es die besten Cheese Sandwiches Ghanas (ohne Kaese) gibt. Dort sind wir bei der Familie von Lawrence, der Lehrer ist und auf dem Schulgelaende wohnt, couchgesurft. Lawrence ist verheiratet mit einer Gewitterwolke, hat einen 4-jaehrigen Sohn, der erst nach ein paar Tagen aufgetaut ist, und in seinem Haus wohnen noch 2 Neffen und seine 13-jaehrige Nichte, Yaa. Yaa ist schnell meine neue beste Freundin geworden, ich musste ihr jeden Abend beim Kochen helfen bzw. Gesellschaft leisten, weil sie von meinen hausmenschlichen Qualitaeten doch nicht so ueberzeugt war. Aussderdem hat sich sich in den Kopf gesetzt sich von mir Deutsch beibringen zu lassen und ich war ziemlich erstaunt ueber ihre wirklich gute Aussprache. Nur auf die Diskussion ueber Jesus haetten wir uns vielleicht nicht einlassen sollen…
In Cape Coast haben wir Cape Coast Castle, ein beeindruckendes Fort, von dem aus der Sklavenhandel organisiert wurde, besucht. Die Ausstellung ueber den Sklavenhandel, die Fante-Kultur und das Leben der ehemaligen SklavInnen in den USA war sehr gut gemacht, waehrend ich die engen, lichtlosen Kerker, in den die SklavInnen zum Teil monatelang festgehalten wurden, sehr beklemmend fand. Ausserdem haben wir den Kakum Nationalpark, ein Stueck ausserhalb von Cape Coast, besucht. Dort kann man ueber Hangebruecken, die in bis zu 40 Metern Hoehe zwischen den Baeumen aufgehaengt sind, durch den Regenwald laufen. Die Erfahrung war auf jeden Fall toll, auch wenn wir ausser ein paar Schmetterlingen und Voegeln leider keine Tiere gesehen haben. Danach haben wir noch die Tieraufzuchtstation Mrs Doolittle, die von der Hollaenderin Annette und ihrem Mann betrieben wird, angeschaut. Selbst im Nationalpark und obwohl viele Tierarten massiv vom Aussterben bedroht sind ist die illegal Jagd ein massives Problem, da die Menschen in den Doerfern auf das ,Buschfleisch’ als Nahrung angewiesen sind. Um zum Erhalt der Arten beizutragen, zahlt die Station fuer jeden vorbeigbrachtes Tierjunge einen kleinen Geldbetrag, so dass viele der Bauern, wenn sie die Muttertiere erlegt haben, die Jungen zur Station bringen. Mit den Jahren ist das Projekt immr groesser geworden und heute gibt dort eine grosse Zahl an wilden Tieren: verschieden Affenarten (die nicht wieder ausgewildert werden koennen), Schildkroeten, Krokodile, Wildkatzen, Gazellen, … Ziemlich beeinddruckend was die beiden dort leisten und trotzdem brauchen sie ein Gewehr und mehrere Hunde um die GhanaerInnen davon abzuhalten, die Tiere zu stehlen und zu toeten.
Ansonsten haben wir noch einen Ausflug in das Fischerdorf Elmina gemacht und dort das ursprunglich portugiesische Fort Elmina, eins der aeltesten europaeischen Bauwerke in Afrika aus dem 16. Jahrhundert, besichtigt. Es war von der Architektur und dem Aufbau her aehnlich wie Cape Coast Castle, aber man hatte eine tolle Aussicht ueber Elmina. Von Cape Coast haben wir unseren Weg an der Kueste fortgesetzt und ein paar Tage am Strand verbracht um uns von den bisherigen Strapazen der Reise zu erholen. Zuerst haben wir zwei Tage in der Green Turtle Lodge, die mitten im Nirgendwo an einem tollen mit Kokospalmen gesaeumten Sandstrand gelegen ist, verbracht. Dort haben wir vor allem gechillt, viele nette Menschen kennengelernt, Beachvolleyball und Tischtennis gespielt und vergeblich versucht Schildkroeten zu sehen. Danach sind wir fuer weitere zwei Tage nach Busua, einen relativ touristischen Fischerdorf, gefahren und haben dort exzessiv Karten gespielt und gebadet. Vor 1.5 Jahren bin ich schon mal dort gewesen und ich war geschockt, wie sehr der Kampf der verschieden Handynetzanbieter um die Vorherrschaft am ghanaischen Markt das Dorfbild veraendern hat: Die Haeuser sind entweder knallrot (Vodafone) oder grellgeld (MTN) gestrichen worden, dazwischen gab es vereinzelt auch noch tuerkis (ZAIN). Von Busua aus sind wir nach Takoradi, einer der groessten Staedte Ghanas, mit eine ganz netten Markt, gefahren, wo wir noch eine Nacht bei Aaron couchsurfen, bevor es morgen weitergeht nach Abidjan in der Elfenbeinkueste.

31.08.2010

Von Cotonou bis Kpalimé

Nach der ziemlich unerfreulichen Fahrt von Niamey nach Cotonou haben wir den naechsten Tag erstmal recht entspannt angehen lassen und haben nicht viel mehr gemacht als ueber den riesigen, bunten und etwas anstrengenden Dantokpa-Markt zu laufen, dort vergeblich die Voodoo-Abteilung zu suchen und abends ein Bier mit Sander in einer vom Lonely Planet hochgelobten Bar zu drinken. Sander, bei dem couchgesurft sind, arbeitet fuer AfricaRica, einer internationalen NGO, und lebt seit 3 Monaten in Cotonou. Was mich richtig gefreut hat war, dass es endlich wieder ueberall Motos, in Benin einfach nur Zem genannt, gibt. Dadurch dass der Verkehr ziemlich schrecklich ist, sind die Motos die einzige Moeglichkeit voranzukommen ohne staendig im Stau zu stehen. Am naechsten Tag sind wir frueh aufgestanden und mit dem Buschtaxi nach Porto Novo, der Hauptstadt Benins gefahren. Obwohl Cotonou die einzige Grossstadt Benins ist und fast alle Behoerden dort sind, haben die Franzosen Porto Novo zur Hauptstadt gemacht. Porto Novo habe ich als eine sehr angenehme Kleinstadt mit vielen netten Haeusern und hilfsbereiten Menschen empfunden, ganz anders als das doch ziemlich chaotische, laute und dreckige Cotonou. Dort angekommen habe ich das erste Mal seit 1,5 Jahren wieder Fufu gegessen und deswegen eine richtige Party gefeiert. Die Sauce war aber auch wirklich besonders gut, mit Kaese sogar!
Anschliessend haben wir das ethnologische Museum besucht. Unser Guide war leider nicht besonders motiviert und hat im Grunde genommen nur die aufgestellten Schilder vorgelesen, aber die Ausstellung selbst war sehr interessant. Sie war untergliedert in Geburt, Leben und Tod und anhand der Austellungsgegenstaende hat man etwas Einblick in die Weltanschauung der Menschen im Koenigreich Porto-Novo bekommen und einiges ueber das Leben des Koenigs erfahren. Weil das Wetter danach ziemlich schlecht wurde sind wir direkt nach Cotonou zurueckgefahren. Auf dem Rueckweg haben wir auf dem Markt noch einiges an Gemuese fuer Sanders Koechin Eugenie gekauft. Es hat mal wieder ziemlich viel Spass gemacht den Markfrauen einen halbwegs guten Preis abzuringen. Am Donnerstag sind wir weiter in den Norden, nach Abomey, das ist etwa 3 Autostunden entfernt, gefahren um dort die Dahomey-Koenigspalaeste zu besichtigen. Diese wurden zwischen 1600 und 1900 gebaut, jeder Kronprinz musste einen neuen Palast errichten. Einige der Palaeste sind noch sehr gut erhalten und gehoeren mittlerweile zum Weltkulturerbe. Wir hatten leider mal wieder Pech mit unserer Fuehrerin: Die empfand es offensichtlich als richtige Zumutung, dass wir sie dazu gezwungen haben ihren Job zu machen. Um die Anstrengung also moeglichst gering zu halten hat sie in Hoechstgeschwindigkeit geredet, uns mehr oder weniger verboten die Erklaerungen neben den Objekten zu lesen und uns richtig durch das Museum gejagt. Die bunten, guterhaltenen Malereien an den Lehmwaenden der Palaeste waren trotzdem sehr beeindruckend und auch die Waffen und anderen Ausstellungsgegenstaende waren interessant und gut erklaert (zumindest die Erklaerungen, die wir in der kurzen Zeit lesen konnten!). Abends haben wir in einem netten Maquis (Cafeteria) mit einer ziemlich witzigen Bedienung gegessen. Sie hat alle 2 Minuten vergessen,was wir bestellt haben, dann war sie richtig ausser sich, dass ich die Pâte (Maisbrei) wie die AfrikanerInnen mit den Haenden gegessen habe und am Ende habe wir die unverstaendlichste Rechnung der Welt mit lauter Bruchzahlen bekommen… Aber sie hat uns richtig gefeiert! :-)
Am Freitag ging es dann zurueck nach Cotonou und wir haben versucht auf dem Marché Saint Michel unseren Buechervorrat, der duch den Ueberfall halbiert worden war, wieder aufzustocken. Leider war die Auswahl nicht besonders gut. Nachmittags bin ich nochmal auf den Dantokpa-Markt um Stoffe zu shoppen und dabei mit einigen der Marktfrauen ins Gespraech gekommen, die es wieder mal nicht glauben konnten, dass ich tatsaechlich unverheiratet und kinderlos bin. Abends sind wir mit FreundInnen und KollegInnen von Sander feiern gegangen. Ich war ziemlich erstaunt, dass es in Cotonou eine richtige europaeische Community gibt, die vor allem aus NGO-MitarbeiterInnen besteht und sich kaum mit BeninesInnen vermischt. In der Bar/Disko lag der Weissen-Anteil mindestens bei 85%… Am naechsten Tag haben wir mit den gleichen Leuten wie am Vorabend einen Ausflufg zum Stelzendort Ganvié, das ich schon bei meinem letzten Benin-Aufenthalt besucht hatte, gemacht. Urspruenglich war das Dort ins Wasser gebaut worden um die BewohnerInnen vor den Sklavenhaendlern zu schuetzen. Heute leben mehrere tausend Menschen in den Stelzendoerfern, die ihren Lebensunterhalt vor allem durch den Fischfang bestreiten.
Abends sind wir, um noch ein bisschen Kultur zu konsumieren, zum grossen Akon-Konzert im Stade de l’Amitie gegangen. Das Vorprogramm hatte schon um 4 begonnen, gegen 8 sollte das eigentliche Konzert anfangen und wir waren so gegen 6 da. Die Vorbands waren alle ziemlich mittelbegabt, der Hammer war der etwa 25-minuetige Remix meines absoluten Togo-Hassliedes Sauale (http://www.youtube.com/watch?v=6bcyILMzeOM). Gegen 11 war von Akon immer noch nichts zu sehen, stattdessen fing die Zeremonie zur 50-jaehrigen Unabhaengigkeit Benins an. Am Anfang war das ja auch noch ganz nett, wie sie die Geschichte Benins mit vielen artistischen Elementen nachgespielt haben, als aber nach 2 Stunden immer noch die gleichen Menschen in ihren roten, gruenen und gelben Umhaengen ueber den Platz gehuepft sind und es angefangen hat zu regnen, wurde die Stimmung dann doch etwas schlechter und die Leute fingen an Dosen zu werfen und die ModeratorInnen auszubuhen. Gegen halb 2 tauchte der grosse Star dann doch noch auf und die Leute mit den billigeren Karten fingen an sich sich ueber die Bruestung 2 Meter nach unten in den Innenraum, der eigentlich den VIPs vorbehalten war, zu stuerzen. Auf Akons Aufforderung hin haben die Securities aufgehoert zu versuchen die Menschen davon abzuhalten und so ist es vor der Buehne ziemlich abgegangen. Die Stimmung war auf jeden Fall richtig gut und wir hatten jede Menge viel Spass :-)
Am naechsten Morgen ging es relativ frueh weiter in den Badeort Grand Popo. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Zwischenstop in Ouidah, einem ehemaligen, bedeutenden Sklavenhandelsfort der Portugiesen und Franzosen, eingelegt. Dort haben wir das Sklaveremuseum, das sich in einem franzoesischen Kolonialgebaeude befindet, besucht und diesmal sogar einen sehr freundlichen und kompetenten Guide erwischt. So haben wir einiges ueber die Sklavenhandelspraxis der Europaer erfahren, ueber die Ausbreitung des Voodoo in Suedamerika und ueber das Leben der Menschen im Koenigreich Dahomey. Anschliessend sind wir zum Point of No Return, vier Kilometer ausserhalb von Ouidah gefahren, von wo aus die Sklaven auf die Schiffe verladen wurden.
In Grand Popo haben wir in einem ziemlich abgfahrenen Reggae-Hotel direkt am Strand gefuert von einer Reihe Rastas gewohnt. Es gab dort Kokosnuesse en Masse, tollen Sandstrand und viele nette Menschen, so dass der Tag ziemlich schnell rumging. Witzig war, dass wir drei Freiwillige aus Deutschland und der Schweiz getroffen haben, die bei meiner NGO in Togo arbeiten, eine davon sogar in meinem Projekt, der Gehoerlosenschule Vivenda.
Am Dienstag sind wir weiter nach Lomé gefahren und waren wieder mal ziemlich erleichtert, dass sie uns mit unserem Visa de l’Entente keinen Aerger an der Grenze gemacht haben. Nachmittags sind wir zum Musée International du Golfe de Guinée gefahren und hatten die Ehre von dem Schweizer Besitzer durch die Ausstellung gefuerhrt zu werden. Dieser lebt seit Jahrzehnten in Westafrika und sammelt Kunstgegenstaende. Um den AfrikanerInnen einen Teil ihrer Kultur zurueckzugeben hat er privat das Museum aufgebaut, das vor allem von Schulklassen und StudentInnen besucht wird. Einige der Exponate aus allen Laendern Westafrikas waren um die 2000 Jahre alt, trotzdem durfte man alles anfassen. Interssant fand ich besonders, wieviele wiederkehrende Motive und Aehnlichkeiten zwischen den Skulpturen aus den verschiedenen Regionen zu erkennen waren. Unser Guide erklaerte das damit, dass dadurch dass die verschiedenen afrikanischen Voelker immer in Bewegung waren, es lange Zeit einen sehr aehnlichen Schoepfungsglauben in weiten Teilen Afrikas gab. Es wurde geglaubt, dass es drei Voegel, einen Kleinen, einen Mittleren und einen Grossen, gibt. Der kleine Vogel symbolisierte die Seele, die in jedem Menschen, jedem Tier und in jeder Pflanze wohnte. Mit dem Tod holte der mittlere Vogel den kleinen Vogel ab und brachte ihn zum grossen Vogel, der die Seele bis zur Geburt eines neuen Lebewesens huetete.
Weil unsere Ghanavisa erst 2 Tage spaeter fertig waren haben wir beschlossen einen Tag nach Kpalimé, die Stadt in der ich 6 Monate gewohnt habe, zu fahren. Ich war richtig erstaunt wieviel sich dort in 1,5 Jahren veraendert hat. Die Schlagloecher zwischen Lomé und Kpalimé sind fast alle verschwunden ( was moeglichweise mit dem Bau des Praesidentenpalasts in Agou, kurz vor Kpalimé, zu tun haben koennte oder aber mit dem verstaerkten Engagement Chinas…) und in Kpalimé selbst gibt es richtig viele neue Boutiquen, Internetcafés und Bars. Wir konnten in unserem alten Haus schlafen, in dem jetzt der Schnitzer Raymond mit seiner Frau und seinen vier Toechtern wohnt. Ausserdem habe ich richtig viele Leute mehr oder weniger zufaellig wiedergetroffen; Richard, Horace und Bruno von Campagne des Hommes, Komla, den Lehrer der Gehoerlosenschule, Sophie, die ab und an mit uns feiern gegangen ist, die Rastas, Mimi, die Schneiderin, die Saftfrau,… Alle haben richtig gefreut mich wiederzusehen und ich mich natuerlich noch viel mehr! Nachmittags sind wir ueber den Marché und durch die Stadt geschlendert, mit den drei aelteren Maedchen der Familie Saft trinken gegangen, haben ein bisschen Zeit mit Halligalli und Seilspringen verbracht und die Maedchen haben uns einige Taenze vorgefuehrt und Gedichte vorgetragen. Abends haben wir wie frueher auf der Dachterasse des Fomen gechillt und guten Don Simon Sangria gatrunken. Weil wir am naechsten Tag unser Visa abholen mussten, konnten wir leider nicht laenger als einen Tag in Kpalimé bleiben. Morgen geht es dann weiter nach Accra, der Hauptstadt Ghanas.

24.08.2010

Von Mopti bis Niamey

Zu allererst muss hier wohl die Busfahrt von Mopti nach Ouagadougou Erwaehnung finden, die vermutlich die schrecklichste, afrikanische Busfahrt meines Lebens war, ist und sein wird. Guter Dinge ging es zunaechst mit 2 Stunden Verspaetung von Mopti im wohl haesslichsten Bus der Welt los, als voraussichtliche Ankunftszeit haben sie uns 6 Uhr morgens in Ouagadagougou genannt. Dass das nicht zu schaffen war, war natuerlich klar fuer alle Beteiligten und so war alles noch voellig im Rahmen und kein Grund zu Aufregung. Unsere Mitreisenden waren auch alle sehr nett und haben uns mit Essen und Tee mitversorgt. Waehrend der Fahrt hat sich dann doch so Panne an Panne gereiht, angesichts des wenig guten Zustand des Buschtaxis auch noch kein Wunder. Irgendwann in der Nacht haben wir dann die Burkinabé Grenze erreicht, nur um da festzustellen, dass diese seit um 10 Uhr abends geschlossen war. Da dachten wir uns dann schon, dass der Busfahrer davon moeglicherweise gewusst haben sollte, aber gut, uns blieb sowieso nichts anderes uebrig als die Nacht dort zu verbringen. Am naechsten Morgen ging es weiter ueber die Grenze und irgendwie kam es uns komisch vor, dass wir zwar einen Einreisestempel fuer Burkina, aber keinen Ausreisestempel fuer Mali bekommen haben. Als wir mal freundlich bei unserem Fahrer nachgefragt haben, meinte er nur, da haette er jetzt ganz vergessen anzuhalten und zurueckfahren ginge eh nicht mehr. Da waren wir dann schon etwas weniger amuesiert, weil uns der fehlende Stempel im Fall einer zweiten Einreise einiges an Aerger bereiten und an Geld kosten koennte. Einige Stunden und Stops spaeter (mittlerweile mussten die Fahrgaeste um den Motor ueberhaupt noch zum Anspringen zu bringen schon alle mit anschieben helfen) haben wir festgestellt, dass wir in Bobo-Dioulassou waren. Wer schon mal eine Landkarte von Burkina Faso gesehen hat, wird wissen, dass Bobo ganz im Sueden von Burkina liegt, waehrend Ouagadougou, das vermeintliche Ziel des Busses, deutlich weiter im Nord-Osten liegt. Eigentlich wuerde man doch annehmen, das ein Bus, der als Fahrtziel Ouagadougou hat, dort auch auf direktem Wege hinfaehrt und keinen Umweg quer durchs Land macht. Langsam war unsere Geduld also doch gut strapaziert. Weil der Bus dann ausserdem so fertig war, beschloss der Fahrer einfach mal in Bobo zu bleiben, wir sollten einen anderen Bus weiter nach Ouaga nehmen. So sind wir einmal mit unserem Gepaeck quer durch Bobo gelaufen (warum haette er uns denn auch einfach an einem der Busbahnhoefe rauslassen sollen?) und sie haben es noch geschafft in das kaputteste Buschtaxi von ganz Bobo zu setzen. Erstmal mussten wir uns mit den netten Menschen da ausfuerhrlich ueber die Gepaeckpauschale streiten, die wir schon in Mopti bezahlt hatten und erst die Drohung, dass wir, wenn sie unser Gepaeck dalassen, eben auch da bleiben wuerden, hat sie dazu bewegt unsere Rucksaecke ohne Aufpreis mitnehmen. Nach zahlreichen Reparaturen und einen Reifenwechsel spaeter sind wir schliesslich gegen halb 11 nach mehr 31 Stunden Busfahrt und mit etwa 12 Stunden Verspaetung mit den Nerven voellig am Ende in Ouaga angekommen.
Nach der ersten Nacht in der katholischen Mission, haben wir am naechsten Tag erstmal unser Entente Visum fuer Burkina, Niger, Benin, Togo und die Elfenbeinkueste beantragt und uns danach mit unserem Couchsurfing-Kontakt Elvis getroffen. Seine Familie, bestehend aus ihm und seinen drei Geschwistern, seiner Nichte und der Frau des aelteren Bruders, wohnten in mehreren Zimmern um einen Compound (Innenhof?) in einem Vorort und haben uns sehr freundlich aufgenommen. Unser Zimmer haben wir mit der Amerikanerin Sarah, die in Ghana lebt und der es gesundheitlich gar nicht gut ging, geteilt. Insgesamt haben wir fast drei Tage in der Familie verbracht, in denen Lenni viel Basketball gespielt hat, uns die Brueder Benoit und Elvis den Markt und die Innenstadt gezeigt und ihrem ziemlich originellen Onkel vorgestellt haben, mit der Familie auf dem Markt des Viertels waren und zusammen gekocht haben. Ein besonderes Highlight war das Tanzengehen am letzten Abend, bei der auch die ganzen guten Togo-Hits nicht gefehlt haben.
Am naechsten Morgen um 6 ging es dann mit dem Bus weiter von Ouagadougou nach Niamey, der Hauptstadt von Niger. Die Busfahrt war vor allem gepraegt von Burkinabé Comedyhoerbuechern auf voller Lautstaerke und wir waren ziemlich froh, dass die nigrischen Grenzsoldaten unsere Visa anerkannt haben. In Niamey angekommen haben wir uns erstmal in der katholischen Mission einquartiert und sind am naechsten Tag weiter auf Hotelsuche gegangen. Dabei kamen wir uns dann irgendwann ein bisschen wie Maria und Josepf vor: Entweder die Hotels waren ausgebucht oder ausserhalb unseres Budgets. Weil wir dann auch kein Zimmer mehr in der Mission bekommen haben, mussten wir eine Nacht in der schlimmsten Absteige der Stadt verbringen ( dem guten Moustache). Wir hatten den Eindruck, dass die meisten Zimmer doch eher zu gewerblichen Zwecken vermietet wurden, wann das Bad das letzte mal geputzt wurde wollten wir gar nicht so genau wissen, das Waschbecken war leider abgebrochen, eine Klotuer gab es auch nicht und aus den Waenden kamen allerlei suspekte Rohre und Kabel. Am naechsten Tag war zum Glueck wieder ein Zimmer in der katholischen Mission frei…
In Niamey haben wir auch das finnische Paerchen, Hannah und Sami, die schon mit uns nach Timbuktu gefahren sind, wiedergetroffen und beschlossen mit ihnen gemeinsam nach Kouré zum Giraffenschauen zu fahren. Dort gibt es ein Giraffenschutzgebiet mit etwa 220 Tieren, das von NGOs und TouristInnen fianziert wird. Ausserdem hat die nigrische Regierung 1983 die Giraffen unter Artenschutz gestellt und es gibt seitdem drakonische Strafen auf die Giraffenjagd. Traditionell werden Giraffen im Niger naemlich gejagt, zum einen weil sie den Feldern der Bauern haeufig schweren Schaden zufuegen und zum anderen weil sie als Buschfleisch als Delikatesse gelten. Es war auf jeden Fall eine beeindruckende Erfahrung bis auf wenige Meter an die Giraffen heranlaufen zu koennen und von unserem Guide viele interessante Informationen ueber die Tiere zum bekommen.
Ansonsten haben wir die Zeit ein Niamey genutzt uns ein bisschen von den bisherigen Strapazen der Reise zu erholen, im Piscine Olipique, dem alles andere als ueberlaufenen 50m-Staatspool zu chillen und ueber die Maerkte zum bummeln.
Was ansonsten auffaellig war in Niamey, war die grosse Zahl der BettlerInnen:In diesem Jahr hat sich die Nahrungsmittelkrise im Niger wieder verschaerft und zudem kam es zu zahlreichen Ueberschwemmungen entlang des Nigers. Wir haben erfahren, dass es in Niger Teil der Kultur ist die Bettelnden zu unterstuetzen, vor allem weil im Moment auch Ramadam/ Karem ist. Viele Familien haben einen bestimmten Bettler, den sie regelmaessig finanziell oder mit Lebensmitteln unterstuetzen. Wegen des wiederaufgebrandeten Touareg-Aufstands im Norden des Landes, sowie der zunehmenden Staerke von Alqaida gibt es im Niger in weiten Teilen keinen Tourismus mehr, wobei ich das eigentlich als sehr angenehm wahrgenommen habe, weil die Menschen uns sehr viel freundlicher und offener entgegengekommen sind als in vielen anderen westafrikanischen Laendern. Es gab kaum eine Fahrt in einem Sammeltaxi in dem die anderen Fahrgaeste nicht das Gespraech mit einem gesucht haben, auch auf der Strasse hat und fast jedeR freundlich gegruesst und wir wurden haeufig nach unserer Herkunft und dem Motiv unserer Reise gefragt.
Gestern haben wir dann den Bus weiter nach Cotonou, der De-Facto-Hauptstadt von Bénin genommen. Auch das eine eher unerfreuliche Erfahrung, da der Bus ewig zu spaet war und wir kurz nach Ankunft erstmal ueberfallen worden sind. Dabei muss man sagen, dass wir noch richtig Glueck hatten, weil ich laut genug geschrien habe, meinen Rucksack festhalten konnte und ziemlich schnell Leute zur Stelle waren. So musste nur Lennis Rucksack mit Lonely Planet aber gluecklicherweise ohne wichtige Dokumente daran glauben. Jetzt werden wir erstmal einige Tage beim dem richtig netten Hollaender Sander hier in Cotonou couchsurfen und von dort aus Tagesausfluege nach Abomey und Porto Novo machen.

18.08.2010

Von Timbuktu bis Dogon Country

Erstmal hatten wir richtig Glueck, dass die Faehre nach Timbuktu wirklich wie angekuendigt eingetroffen ist und dann hatten wir noch mehr Glueck und haben eine 15-Mensch-Dritte-Klasse-Kabine fuer uns 7 Toubabus (Bambara fuer Weisse, in dem Fall 6 Kanadier, 2 FinnInnen und wir) bekommen. Neben der vierten, der zweiten, der ersten und der Luxus-Klasse hat sich die Dritte trotz des unguten Geruchs am naechsten Morgen als ziemlich gute Wahl herausgestellt, weil wir das Fruehstueck fast ans Bett gebracht bekommen haben. Waehrend der 2 Tage Fahrt sind wir an zahlreichen Doerfern vorbeikommen, Kinder sind der Faehre hintergerannt, wir wurden von Fliegenschwaermen ueberfallen, sind in einen Sturm gekommen und haben in erster Linie auf dem Deck gechillt. Ich habe dabei eine 10-jaehrige Freundin, Fatmata, gefunden, die mir auf Schritt und Tritt gefolgt ist und deren Familie ununterbrochen versucht hat fleischlastiges Essen in mich hineinzustopfen. Die Atmospaere war auf jeden Fall sehr nett und entspannt, mit vielen Marktfrauen an Bord, die ihr Obst und Gemuese nach Timbuktu gebracht haben und sich sehr ueber meine Waschkuenste amusiert haben. Ansonsten ist gruener Tee, der dreimal aufgebrueht wird, einmal bitter wie der Tod, die zweite Tasse wie das Leben und die dritte Tasse suess wie die Liebe, in groben Mengen konsumiert worden ud ich habe versucht Fatmatas Bruder Englisch beizubringen waehrend er wiederum versucht hat mir Bambara naeherzubringen (beides aehnlich erfolgreich).
Im Nachhinein muss man auf jeden Fall sagen, dass die Bootsfahrt der einzig gute Grund war nach Timbuktu zu fahren. Vom ehemaligen Reichtum der Stadt ist naemlich nicht mehr viel zu merken und wir wurden ziemlich extrem von Touareg-Schmuckverkaeufern verfolgt. Unser Unterbringung hingegen war ein ziemliches Highlight: Eine Kanadierin und ein Touareg haben gemeinsam ein kleines Backpacker-Hotel aufgebaut, in dem man auf Matratzen auf dem Dach schlaeft (falls es nicht regnet, was es zu unseren Leidwesen in der Regenzeit jedoch relativ regelmaessig tat), tagsueber konnte man falls es nicht zu heiss war entspannt im Innenhof chillen und Tee trinken und sich mit dem Besitzer unterhalten. Dieser ist der Chef einer Touareg-Gemeinschaft von etwa 2000 Menschen, der offizielle Vertreter der Touareg in Genf und hat uns die Touaregkultur um einiges naehergebracht. Unter anderem haben wir erfahren, dass die Touareg eine komplett eigene Schrift benutzen, die nur aus 12 Buchstaben besteht, die zum Teil aber auch fuer ganze Woerter stehen koennen und dass es auch ein selbststaendiges Touareg-Recht gibt, dass zum Teil auch kodifiziert ist, waehrend die Scharia keine Rolle spielt. Ansonsten hat Timbuktu mehrere interessante Lehmmoscheen und das ,Tor zur Wueste’ liegt direkt vor der Stadt, so dass man regelmaessig Touaregs mit ihren Kamelen vorbeiziehen sieht.
Am naechsten Morgen ging es mit dem Jeep um vier Uhr zurueck nach Mopti. Lenni war dabei in ziemlich unguter Form, weil er sich am Tag davor beim Fussballspielen in der Wueste wohl ein bisschen uebernommen hatte.
Am naechsten Tag haben wir mit dem Buschtaxi einen Tagesausflug nach Djenné gemacht, dass wir auf der Hinfahrt verspaetungsbedingt auslassen mussten. Dort gibt es eine Lehmmoschee aus dem 13. Jahrhundert zu sehen, die zum Weltkulturerbe erklaert wurde, und ziemlich beeindruckend ist. Zwar waren auch dort viele Guides unterwegs, nachdem wir aber ausdruecklich gesagt haben, dass wir keinen wollen, haben sie uns auch in Ruhe gelassen. Unser Eindruck war, dass grosse Teile der Stadt aus verwinkelten Gassen bestehen und fast mittelalterlich anmutet, die Haeuser waren alles aus Lehm ohne Fenster und wegen des Regens war es zum Teil sehr schwierig trockenen Fusses voranzukommen. Zurueck in Mopti sind wir unseren ueblichen Fussweg am Fluss entlang zum Hotel Ya pas de problème (sehr empfehlenswert) zurueckgelaufen und an dem Nam-Sandwich-Stand eines muerrischen Vietnamesen vorbeigekommen, der seine KundInnen gerne mal ignoriert. Um die Grenzen seiner Lethargie auszutesten haben wir im Vorbeigehen von der anderen Strassenseite aus angefangen Bonsois Bonsoir! zu rufen und wild zu winken und zu unseren groessten Erstaunen ist es aufgesprungen; hat ebenfalls angefangen zu winken und ,I know you I know you!’ zu schreien (franzoesisch scheint er nicht zu besprechten). Das hat uns dann doch ziemlich gefreut und so ist es zur Mopti-Tradition fuer uns geworden Bonsoir zu schreien und wild zu winken und fuer den Vietnamesen I know you zu schreien und zurueckzuwinken.

Am naechsten Tag ging es fuer uns mit den 3 Kanadiern Evan, Dan und Peter weiter zum Hiken ins Dogon Country. Die tolle Landschaft dort ist ziemlich bekannt und deswegen ist die Gegend leider auch relativ touristisch. Wir haben es aber trotzdem geschafft uns einen relativ guten Guide, Ibrahim, zu organisieren, der uns durch zahlreiche Doerfer gefuehrt und uns viel ueber die Kultur der Dogon erzaehlt hat. In der ganzen Region wird viel Ackerbau betrieben , da das Land aufgrund von Staudaemmen gut bewaessert werden kann. Die Doerfer sind meist aus Lehm gebaut und obwohl viele Dogon mittlerweile Muslime sind, lassen sich noch viele Elemente des animistischen Glaubens entdecken: An vielen der Haeuser sind Grigris, Amulette, die die BewohnerInnen beschuetzen sollen, angebracht und es gibt Huetten, in denen menstruierende Frauen wohnen muessen um die Wirkung der Grigris nicht zu zerstoeren (hier wiederum war ich mir nicht sicher, ob das heute wirklich noch so praktiziert wird oder ob dass einfach den TouristInnen so erzaehlt wird…). Beeindruckend waren die Felsen ueber die wir geklettert sind und von denen aus man eine tolle Aussicht hatte. Wieder unten angekommen hatten wir das Glueck einen der woechentlichen Maerkte der Region besuchen zu koennen. Abends sind wir einer Herberge angekommen, haben dort gegessen und Ibrahim hat uns noch einiges ueber die Kultur der Dogon erzaehlt. Besonders beeindruckt hat mich dabei die Tradition, dass wenn eine schwangere Frau stirbt ihr Mann um in sein Dorf und zu seinen anderen Frauen zurueckkehren zu koennen in einem anderen Dorf eine Frau vergewaltigen muss, die dann stirbt. Wenn er jedoch zuerst von den BewohnerInnen des anderen Dorfs erwischt wird, wird er von diesen kastriert (falls das keine Tourigeschichte war…) Die Nacht wiederum war eher unerholsam, da wir eigentlich auf dem Dach schlafen sollten, aber es richtig geregnet hat und wir ziemlich von Kroeten heimgesucht wurden. Am naechsten Tag nach einem guten Fruehstueck sind wir dennoch wacker 14km weitergewandert und ueber Bandiagara nach Mopti zurueckgefahren.

07.08.2010

Von Tunis bis Mopti

Nachdem sich das Afrikaweh im letzten Jahr nicht gelegt habe, bin ich diesen Sommer zusammen mit Lenni wieder mal in Westafrika unterwegs. Die geplante Route umfasst Mali, Burkina Faso, Niger, Benin, Togo, Ghana, Cote dIvoire, Guinea, Senegal und Marokko.

Am 1. August ging es erstmal mit Tunisair von Frankfurt nach Tunis, wo wir dank einiger Stunden Aufenthalt die Moeglichkeit hatten uns ein bisschen die Stadt anzuschauen. Zwar war wegen eines Feiertags nicht viel in der Medina los, aber wir bekamen die Moeglichkeit uns den Raum fuer Frauen und Kinder in einer Moschee und die wunderschoene Altstadt  anzuschauen und einige freundliche Tunesier haben uns zum Biertrinken eingeladen. Abends ging es mit viel Verspaetung und interessanten Mitreisenden weiter nach Bamako in Mali. Dort hatten wir ueber Couchsurfing einige Uebernachtung bei einer ehemaligen Peace Corps-Freiwilligen und deren Freund, Raven und Osmane,  klargemacht. Beide waren richtig nett, Osmane hat uns den Grand Marché gezeigt, mit uns gekocht und wir haben viele von ihren FreundInnen kennengelernt. Bamako hat auf mich einen sehr positiven Eindruck gemacht: Die meisten Menschen waren ausgesprochen hilfsbereit und nicht aufdringlich, der Verkehr deutlich uebersichtlicher als in so manch anderer afrikanischen Grossstadt und es gibt einiges anzusehen: Wir sind unter anderen zu dem Aussichtspunkt Point G gefahren, von dem aus man die ganze Stadt und den Niger sehen kann und haben das Musée National besucht, in dem viele alte Masken, Statuen und andere afrikanische Kulturgegenstaende zu bewundern waren. 

Nach Bamako ging es fuer uns weiter nach Ségou, noerdlich von Bamako. Eine sehr nette afrikanische Kleinstadt mit sowas wie einer Uferpromenade, einem Toepfermaerkt und einer Statue von einem zumindest uns unbekannten General. Auch hier nicht als Freundlichkeit und Gastfreundschaft, besonders das Abendessen in einer kleinen Cafeteria war froehlich-afrikanisch. Am naechsten Morgen wollten wir eigentlich direkt weiter nach Genée, einer Stadt im Norden, in der es eine besonders schoene Moschee gibt, dieser Plan viel jedoch ins Wasser nachdem wir unfreiwillig 9 Stunden wartend am Busbahnhof verbracht haben: Der Bus kam erst viel zu spaet und war dann kaputt und wir sind zwischen Verzeiflung und Resignation mit einem Anflug von Galgenhumor geschwankt… Um 1 Uhr nachts haben wir dann doch noch unser Ziel erreicht und auch noch einen Schlafplatz im Dortoir des Hotels Ya pas de Problème ergattert. Dort haben wir jede Menge interessante Leute kennengelernt, mit denen wir jetzt zum Teil auch nach Timbuktu weiterreisen werden. Mit dabei ist unter anderem ein finnisches Paerchen, die dort vor 10 Monaten aufgebrochen sind und seitdem nur mit Zug und Bus unterwegs sind. Die letzten Tage hate es ausserdem auch noch ganz gut zu regnen angefangen, so dass die Strassen hier in Mopti doch die eine andere Gefahr mit sich bringen (Geruechten zufolgen kann man sogar in Schlammloecher stuerzen…). Mopti selbst ist die zweitgroesste Stadt Malis wovon man allerdings nicht viel merkt. Ein wenig anstrengend sind die zahlreichen Guides, die einem alle Bootstouren oder Fuehrungen durch Dogon-Land aufschwaetzen wollen, aber ansonsten ist die Atmosphaere sehr nett und entspannt. Allein schon am Niger entlang zu schlendern entschaedigt fuer so manchen Guide ;-) 

Heute Abend gehts dann hoffentlich mit der Faehre weiter nach Timbuktu. Wegen des niedrigen Wasserstandes ist sie schon 2 Tage zu spaet und wird heute gegn 22 Uhr erwartet. Wenn alles gut geht erreichen wir Timbuktu dann in etwa drei Tagen.

14.06.2009

Togoweh

Mittlerweile bin ich schon gute zwei Monate zurück im schönen Bayern und der Kulturschock ist mehr oder weniger verkraftet. Immer wenn ich seitdem andere Mitfreiwillige getroffen habe, kamen wir unwillkürlich dazu uns zu  überlegen, was einem eigentlich so fehlt und was weniger. Hier mal eine Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit ;-) ):

Dinge, die uns/mir NICHT fehlen:

das ständige Angemachtwerden, das Yowo-Yowo-Geschrei, das frittierte Essen, Pâte, meine Gastfamilie, der ständige Pissgeruch im Haus, der Müllhaldengarten, das Ölen ;-) , die Krankheiten, der kleine Arzt, Infusionen, die dubiosen Tabletten aus Nigeria, die Verdauungsprobleme ;-) , Asauasauauale, die Rund-um-die-Uhr-Beschallung vom Bakula, dass man ständig um Geld oder Geschenke angehauen wird und einen alle nur für ein reiches weißes Kind halten, dass man als Frau nicht ernstgenommen wird, Diskussionen über Religion, die gelegentlichen Kirchgänge, der Café (Nestlepulver mit gezuckerter Kondensmilch), das Brot, immer ein schlechtes Gewissen wegen seinem Geld zu haben, der Französisch- und  Ewekurs bei André, die Réunions, Bohnen mit Maismehl (saudégoutant), unsere Kueche samt den 100000000 Kakerlaken, der Lattenrost mit dem man mehr Kontakt als gewuenscht hatte, TV Togo mit den Todesanzeigen und la belle-mere, Radio Maria, die tollen, moderierten Bob-Marley-CDs

Dinge, die uns/mir fehlen:

das Cafête (Spaghetti mit Omelette), die Fufubars, das Fomen, P-Square:-), das Tanzen immer und überall, das Lachen, die Sonne, der Regen, der Busch, die Motos, die anderen Freiwilligen, meine Batik-Jungs, Omelettesandwich, Bissap, Zitronensaft, das Reisen, Tini, wenn sie Abzock-Taxifahrer zur Sau macht oder Angst hat vom Blitz getroffen zu werden ;-) , die Chillmittwochnachmittage im Geyser mit Ghettoblaster, der Markt, Stoffe kaufen und zu Mimi bringen, Buschtaxifahren, abends im Tshirt rumlaufen können, Kniffeln, die Sonntagsausflüge, Fufu stampfen und Erdnusssoße kochen, Excellent bevor er so viel sprechen konnte :-) , der Ewe-Klang, wenn Yanneck die Kids an den Baum gefesselt hat und Nadège eingeredet hat sie wär eine Kuh, Nadège, wenn ich sie zum Abschreiben gezwungen habe und sie mich erst umbringen und dann essen wollte, Nadège, wenn sie mich jeden Morgen gefragt hat, ob ich alleine geschlafen habe und mich dann deswegen jeden morgen wieder bedauert hat, gesagt zu bekommen, dass man aussieht wie ein Hund ;-) , mit meinen SchülerInnen zu puzzlen und sie davon abzuhalten die Puzzleteile durchzunummerieren, mit ihnen kochen und dafür ausgelacht zu werden nichts zu können, Sachen écrasen, Scheiße auf Ewe :-) , immer sofort jemanden treffen und alle Strecken zu Fuß zurücklegen können, die lustigen Leute die man überall trifft (Ghana!), Lea, wenn sie Angst vor einer möglichen Kontamination hatte, das Fußballspielen, Volleyball auch, Soja!, der Joghurt in Burkina, dass DDR-Barbies wegen der gleichen Haarfarbe nach einem benannt werden ;-) , Plastiktannenzapfen mit Rosenfüllung geschenkt zu bekommen, sich mit David zu streiten, die hitzigen Diskussionen mit Andre (Stichwort: Schwule in Afrika), die afrikanischen Moto-Ruf-Geräusche, das Baby-auf-dem-Rücken-und-Sachen-auf-dem-Kopf-Getrage, das Handeln :-) , die Begeisterung über ein paar Gummibärchen oder ein Stück Schoki, das Dienstagsfufuessengehen, die unterhaltsamen Ehekrisen von unseren Gasteltern, Excellent und Merveil wenn sie Miss gespielt haben, die Tiere überall, Papillon auf Gebaerdensprache

05.04.2009

Ecole des Sourds Vivenda

Fuenf Monate meiner Togozeit habe ich in der Gehörlosenschule Ecole des Sourds Vivenda gearbeitet. Insgesamt hat die Schule etwa 15 SchülerInnen, die in drei Klassen aufgeteilt sind (CP1, CP2, CE1). Vom Alter her sind die Klassen bunt durchmischt von 6 bis 18 Jahren abhängig vom Einschulalter. Gearbeitet wird vor allem mit Texten anhand denen neue Signes gelernt werden, auch Mathe und bei den Älteren Science stehen auf dem Stundenplan. Finanziert wird die Schule durch kirchliche Spendengelder, sodass den SchülerInnen wenn nötig auch das Schulgeld erlassen werden kann. Der Unterricht beginnt morgens um 8h und geht bis zur Mittagspause um halb 12, dreimal pro Woche ist außerdem nachmittags Unterricht. Die letzten Monate haben wir in der Regel so gearbeitet, dass Yanneck (Mitfreiwilliger) den Unterricht mit den Älteren gemacht hat, ich mit den Mittleren und der Lehrer, Komla, die Jüngsten übernommen und uns mit unseren Klassen geholfen hat. In Togo wird die westafrikanische, frankophone Gebaerdensprache benutzt, die auf der Amerikanischen basiert. Neuen SchülerInnen muss diese erst beigebracht werden, weil sich in den Familien  immer individuelle Zeichen entwickeln.  Hier mal ein paar Fotos…

Nadege ;-)En classeYanneck beim ,Ecrasen'KomlaEsse, Nadege, Bernard und ich

23.03.2009

Wandern gegen Aids

Letzten Samstag sind wir zum zweiten Mal zu fuenft nach Agou gefahren um mit zwei dort wohnenden Freiwilligen und deren Gastgeschwistern auf den Mont Agou (hoechster Berg Togos, 986m) zu laufen. Diesmal allerdings nicht zum Spass, sondern im Rahmen der World Aids Awareness Expedition, deren Ziel es ist in jedem Land der Welt auf dem hoechsten Berg eine Fahne gegen Aids zu hissen. Auf der Fahne sollte eigentlich die vermutete Zahl der Aids-Infizierten des jeweiligen Landes gedruckt sein, auf unserer Fahne stand nur ein Fragzeichen, weil es zu Togo keine Zahlen gibt… Weil wir relativ spaet dran waren und unsere juengste Unterstuetzerin (6) ein bisschen geschwaechelt hat, mussten wir beim Aufstieg viele Pausen machen. Im ersten Bergdorf, das wir durchquert haben, wollte uns eine freundliche Frau ausserdem unbedingt erst noch ein paar Avocados pfluecken, so dass wir letzten Endes erst um kurz vor eins den Pic erreicht haben. Dort haben wir erstmal in Ruhe gegessen und dann das obligatorische Gipfelbezwingungsfoto gemacht (mit aufgeblasenen Bananenkondomen, die wir danach ein paar Kindern zum Spielen geschenkt haben. Das fanden die freundlichen Soldaten dann weniger witzig). Der Abstieg ging dann relativ schnell und zurueck in Agou hat uns die Gastfamilie unserer beiden Dortfreiwilligen erstmal Couscous gemacht. Nach laengeren Fachgespraechen ueber die Huehnerzucht sind wir dann wieder zurueck nach Kpalimé gefahren.

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